DDR und Deutschland Heute


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Rolle der Rechtssprechung (Konfliktbewältigung)

Wir finden im Internet
(http://ruessmann.jura.uni-sb.de/gvv2001/Vorlesung/rechtsprechung_und_konfliktbewaeltigung.htm)

Luhmann stellt nicht die berühmte Frage des Faust, was die Welt im Innersten zusammenhält, sondern die Frage, wie wir uns in einer Welt, die überreich an Möglichkeiten ist, überhaupt orientieren können, was uns eine relativ stabile Verhaltensorientierung ermöglicht.

Das Schlagwort ist die Komplexität der Welt.

Sie schließt Orientierungssicherheit aus, wenn es nicht gelingt, Verfahren zu entwickeln, die die Komplexität reduzieren.

Reduktion der Komplexität heißt das zweite Zauberwort.
Ihr dienen die Herausbildung sozialer Systeme, die ihrerseits - idealtypisch betrachtet - durch spezifische Kommunikationsmedien geprägt sind. Vier zentrale soziale Systeme mit spezifischen Kommunikationsmedien werden unterschieden:

Soziales System Kommunikationsmedium
Familie Liebe
Wirtschaft Geld
Wissenschaft Wahrheit
Politik Macht

Die Rechtsprechung ist Teil der Politik. In ihr wird Macht ausgeübt. Das sollte in geordneten Bahnen geschehen. Dafür sorgt eine weitere Unterdifferenzierung. Man spricht systemtheoretisch auch von der Ausdifferenzierung von Teil- und Untersystemen. In der Politik ist das die Differenzierung von Legislative, Exekutive und Judikative, die je eigenen Regeln bei der Machtausübung folgen und sich zum Teil gegenseitig kontrollieren (balance of powers).

Eine Besonderheit der Judikative liegt darin, dass sie im Grundsatz überall dort einspringen muss, wo in den anderen Systemen die spezifischen Kommunikationsmedien für die Konfliktbewältigung versagen. Es ist aus mit der Liebe. Man kann mit Geld nicht alles machen. In der Universität kämpft man um knappe Mittel, und dabei ist fast jedes Mittel (und nicht nur die Wahrheitsfindung) recht. Wenn hier die internen Konfliktbewältigungsmechanismen versagen und es zugleich verboten ist, seine Interessen unter Anwendung eigener Gewalt durchzusetzen, dann muss es einen Weg zu den Institutionen geben, die Gewalt ausüben dürfen.

Kommentar von Rolf Schälike:

Die Rechtssprechung ist Teil der Politik. In ihr wird Macht ausgeübt. Diese wird der Wissenschaft gegenübergestellt, in der es um die Wahrheit geht.

Eine Aussage, dass Rechtsanwälte als Vertreter der Rechtssprechung juristisch die Wahrheit verdrehen, weil es um Macht geht und darunter die Wahrheit leiden kann, ist Allgemeinwissen und kann damit keine "üble Nachrede" oder eine "Ehrverletzung" darstellen.

Bitte senden Sie Ihre Kommentare an Rolf Schälike
Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 29.12.03
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